
Acht Kaiser und Könige und drei Kaiserinnen wurden im Speyerer Dom beigesetzt. 1900 öffnete und untersuchte man ihre Gräber. Die kostbaren Grabbeigaben stehen im Mittelpunkt der Abteilung „Domschatz“ im Historischen Museum der Pfalz. Die Grabkronen der salischen Kaiser, der Reichsapfel Heinrichs III., der Goldring Heinrichs IV., Inschrifttafeln und wertvolle Textilfragmente sind einzigartige Zeugnisse der hier bestatteten Herrscher.
Die wertvollsten Exponate des Domschatzes wurden für den Gottesdienst gebraucht. Kostbare liturgische Geräte und Reliquiare sowie wertvolle Paramente (aufwendig gestaltete Textilien) und Gemälde offenbaren die Frömmigkeit ihrer Auftraggeber und hohe Kunstfertigkeit ihrer Schöpfer. Im 4. Jahrhundert übertrug Bischof Ulfilas die Bibel ins Gotische. Die letzte Seite einer Abschrift (der sog. Codex Argenteus) aus der Zeit um 500 kam 2007 in die Sammlung Domschatz.
In der fast 1000jährigen Baugeschichte des Speyerer Domes spiegelt sich die wechselvolle Geschichte der Stadt Speyer und der ganzen Region. Seit dem 1. Dezember 2012 können die Besucher hautnah erleben, wie das Bauen im Mittelalter aussah: Sie tauchen ein in die Zeit um 1040 und befinden sich mitten auf der Dombaustelle. Der Dombau hat gerade begonnen, die Fundamente sind gelegt und von einem einfachen Stangengerüst aus werden die Wände gemauert. Ein unfertiger Sandsteinquader und Rekonstruktionen von mittelalterlichen Werkzeugen machen die Arbeit eines Steinmetzen anschaulich, Hebewerkzeuge wie Seilwinde und Wolf lassen die Mühen auf einer mittelalterlichen Baustelle erahnen. Eine virtuelle Rekonstruktion zeigt die 1000jährige Baugeschichte des Doms auf drei parallel geschalteten Großbildschirmen. Der Besucher wird dabei mit auf eine Reise durch die Vergangenheit genommen und kann die Errichtung, aber auch die Umbauten und Zerstörungen des Doms miterleben.
Etwas ganz Besonderes sind die originalen Farbentwürfe Schraudolphs zu seinen Fresken, die das Historische Museum der Pfalz im neugestalteten Domschatz präsentiert. Diese kleinformatigen Gemälde sind mit höchster Sorgfalt ausgeführt und gewähren tiefe Einblicke in die Arbeitsweise und persönliche Handschrift des Meisters. Sie dienten nicht nur der Vorbereitung und Ausführung, sondern auch der Abstimmung des Bildkonzeptes mit dem königlichen Auftraggeber Ludwig I. Zusätzlich zeigt eine weitere virtuelle Rekonstruktion den vollständig ausgemalten Dom in seiner ganzen Farbenpracht. Dort kann der Besucher nicht nur die Einzelbilder bewundern, sondern auch die heute vollständig verlorene Ornament- und Dekorationsmalerei.
Ab sofort hat auch das Junge Museum Speyer einen festen Platz in der Sammlung Domschatz. Ein großes Dommodell aus Holz lädt große und kleine Besucher zum Zusammenbauen ein und macht dabei die komplexe Raumstruktur eines romanischen Kirchenbaus deutlich. Mehr Informationen finden Sie auf der Seite des Jungen Museums.
Mit neuesten, innovativen Verfahren wurden die höchst fragilen Textilreste und anderen organischen Funde aus den Gräbern der Kaiser und Könige im Speyerer Dom in einem 2011 abgeschlossenen Forschungsprojekt, dem sogenannten KUR-Projekt, erforscht. Die Ergebnisse dieser aktuellen Forschungen zeigt die Ausstellung „Des Kaisers letzte Kleider“. Sie präsentiert eine Auswahl dieser einzigartigen Objekte– unter anderem den Kaisermantel des staufischen Königs Philipp von Schwaben – und erlaubt gleichzeitig mittels modernster Technik einen Einblick in die aktuelle Forschungsgeschichte.
Mehr über den Dom zu Speyer erfahren Sie auf der Seite des Bistums Speyer.
Den Dom virtuell besuchen können Sie auf der Seite www.kaiserdom-virtuell.de.